Michelle Rowbotham


Nomos

Eine interaktive Realtime-Visualisierung improvisierter Musik


Nomos, Live-Performance [link 01]

Nomos, Live-Performance

Kurzdarstellung

Kurzbeschreibung

Das Projekt „Nomos, eine interaktive Realtime-Visualisierung improvisierter Musik” soll als Kopplung von optischen und akustischen Ereignissen Ausdruck einer direkten physikalischen Äquivalenzbeziehung sein. Bei der Interaktion zwischen einem Musiker und generativer Software-Applikation erzeugen die in einem speziell dafür entwickelten Code implementierten Algorithmen selbstständig Bilder.

Dies ermöglicht es musikalische Elemente aufzugreifen und somit Synästhesien und Synchronizitäten zu erzeugen oder Kontrapunkte zur Musik zu setzen.

KünstlerInnen / AutorInnen

  • Michelle Rowbotham, Bauhausuniversität Weimar

MitarbeiterInnen

  • Prof. Ursula Damm, Betreuerin, Bauhausuniversität Weimar
  • Uros Svete, Musiker, Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

Entstehung

Deutschland, 2004-2005

Partner / Sponsoren

Bauhausuniversität Weimar
Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

Eingabe des Beitrags

Michelle Rowbotham, 09.02.2006

Kategorie

  • Forschungsprojekt

Schlagworte

  • Themen:
    • Abstraktion |
    • Musik |
    • Interaktivität |
    • Echtzeit-Rendering
  • Formate:
    • Performance
  • Technik:
    • Java

Ergänzungen zur Schlagwortliste

  • Mathematik

Inhalt

  • › Theoretische Ausarbeitung [PDF | 2 MB ] [link 02]
  • › Perpetual Tango - John Cage (1984) [8 MB ] [link 03]
  • › Improvisation I - Uros Svete (2005) [5 MB ] [link 04]
  • › Improvisation II - Uros Svete (2005) [6 MB ] [link 05]

Inhaltliche Beschreibung

Die Bezeichnung Nomos stammt aus dem Griechischen und hatte „zweifachen Sinn: Gesetz und Melodie!” Das ursprüngliche Ziel der Griechen, die Harmonie zwischen einer Gesetzlichkeit und einer Melodie, soll in diesem Projekt aufgegriffen werden. Die Umsetzung erfolgt dabei durch einen Musiker, der Klänge erzeugt, die durch eine direkte physikalische Äquivalenzbeziehung zu einer generativen Realtime-Software-Applikation, genauer durch einen speziell dafür entwickelten Code ausgelöste Bilder erzeugen.

Hintergrund dieser Ausarbeitung ist Platons numerischer Grundgedanke, der besagt, dass alle Dinge auf einer mathematisch geometrischen Ebene miteinander verknüpft sind.

In diesem Projekt sollen durch geometrische Formen, Muster und Symmetrie, deren Ordnung gleichzeitig bestimmt ist von Zufall und Improvisation, dem Konsumenten über Raum und Zeit hinaus eine Transzendenz eröffnen, was durch die Musik ausgelöst und verstärkt wird und über das vermeintliche Chaos zur Ordnung und mathematischen Gesetzmäßigkeit zurückfindet.

Der besondere Reiz dieser Arbeit liegt darin, nicht im Voraus produziertes Bildmaterial auf Musik abzustimmen, sondern basierend auf Algorithmen in Echtzeit Bilder zu generieren, die von der Musik ausgelöst und gesteuert werden. Bei der visuellen Umsetzung improvisierter Musik, entstehen also Ton und Bild zur selben Zeit und unterstützen so gegenseitig ihre emotionale Wirkung. Algorithmen übertragen dabei Verhältnisse und Beziehungen aus der Musik auf mathematische Körper im Bild. Die mathematischen Eigenschaften beider Genres bilden die Grundlage dieser Umsetzung. Gerade das Zusammenspiel aus musikalischer Improvisation und algorithmischen Zufallselementen, gepaart mit festen Regeln und Gesetzen, gestalten die Visualisierung interessant und abwechslungsreich. Die somit entstehende Unvorhersehbarkeit ist stark mit dem Attribut der Kontrolle verknüpft, unterscheidet sich aber in der jeweiligen Erwartungshaltung des Betrachters. Könnten wir jeden Schritt voraussagen, laufen wir Gefahr, dass Interaktion „langweilig” werden könnte. Gelungene Interaktion aber findet eine Balance zwischen der Gleichgültigkeit in konstanten Aktionen und unkontrolliertem Chaos.

Ich bin überzeugt davon, dass Menschen oft versuchen, besondere Momente und Augenblicke zum Beispiel auf Fotos oder Videoaufnahmen festzuhalten, um eigentlich „Nichtgreifbares“ auf Papier, Film oder im PC zu bewahren.

In diesem Projekt versuche ich nicht ungreifbare Momente greifbar zu machen, sondern den Betrachter für das zeitlich begrenzte Moment der Musik zu sensibilisieren. Dabei sollen sich Emotionen, die durch diese Vergänglichkeit ausgelöst werden, im Moment des Entstehens verdichten. Ziel ist es, ein rein musikalisches Erlebnis zu einem audio-visuellem Ereignis werden zu lassen. In der Verwirklichung dieses Projektes wird nicht nur meine besondere Beziehung zur Musik erkennbar, sondern in den entstehenden Bildern wird gleichsam meine Liebe zu Mustern, Seriellem und zur radikalen Ordnung sichtbar.

Technik

Hardware / Software

Hardware:
2 Mikrophone
1 Sennheiser, MD 425 (ein dynamisches Mikrophon mit Supernierencharakteristik) für die rechte Hand des Akkordeonisten. Das Mikrophon muss nah an die Tonquelle, damit nur die Klänge der Tonquelle, insbesondere nur die Töne der rechten Hand aufgenommen werden. Da sich der Balg bewegt, ist für die andere Hand ein Ansteckmikrophon notwendig. Beide Mikrophone werden mit einem XLR-Kabel an das Tascam-Interface angeschlossen.

1 Tascam-Interface
Das Tascam-Interface ist ein A/D-Wandler mit 24 Bit Auflösung und zwei analogen Audioeingängen. Es ist die Schnittstelle zwischen den analogen Klängen und dem Computer. Das Gerät wird über ein USB-Kabel an den Laptop angeschlossen.

1 Computer

1 Beamer
Für die Projektion wir der Computer mit einem Beamer verbunden.

Software:
Der Klang wird von 2 Mikrophonen separat, auf zwei getrennten Kanälen, über das Tascam-Interface in den Computer geleitet. Dort wird dieser in der Software Max/MSP 4.5 getrennt analysiert. Ein Modul (analyser~) führt in Echtzeit eine optimierte Fast-Fourier-Transformation durch und findet so heraus, welcher Ton gerade wie laut gespielt wird. Durch die Fast-Fourier-Transformation lassen sich Signale von der Darstellung (Zeitpunkt, Abtastwert) in die Eigenschaften: Frequenzanteil, Amplitude und Phase überführen. Die Frequenz und die Amplitude jeder Tonquelle werden über die Software MaxLink an das Programm Processing übergeben. Die Java-Bibliotheken von MaxLink ermöglichen die Kommunikation zwischen Max/MSP 4.5 und Processing auf Mac und Windows-basis. MaxLink schickt die Informationen über das lokale Subnetz im „Mulicasting-UDP-Format”. Processing ist eine Programmierumgebung und Sprache, die entworfen wurde, um „Digitale Kunst“ und „Visuelles Design“ zu gestalten. Die Sprache wurde entwickelt, um die Gestaltung von anspruchsvollen visuellen, konzeptbasierten Strukturen zu vereinfachen. In Processing werden vier „öffentliche” Variabeln definiert: „tone”, „amp”, „tone2” und „amp2”, die Frequenz und die Lautstärke beider Tonquellen. Die Frequenz variiert innerhalb eines Spektrums von 82 Hz bis 3520 Hz. Die Amplitude bewegt sich zwischen 0 und 100 je nach Einstellung auf dem Tascam und in Max/MSP. Über diese Variabeln steuert der Musiker die Visualisierung.

Kontext

Hochschule / Fachbereich

Bauhausuniversität Weimar
Interface Design

URL der Hochschule

» http:// www.uni-weimar.de [link 06]

Betreuer des Projekts

Prof. Dr. sc. hum. Jens Geelhaar

Kommentar des Betreuers

Interessante Arbeit die sich durch die klanglichen Live Aspekte von anderen Arbeiten dieser Art unterscheiden kann. Programmierung und visuelle Umsetzung ergeben hier ein "spielbares" Instrument, dass die Möglichkeiten des Musikinstruments in den visuellen Raum erweitert.

Seminar / Kurzbeschreibung

Diplomarbeit

Zuordnung Forschungsbereich

Interaktive Installationen

  • › digital sparks 2006 [link 07]
  • › Theoretische Ausarbeitung [PDF | 2 MB ] [link 08]
  • › Le Tango - Erik Satie (1914) [JPEG | 80 KB ] [link 09]
  • › Intro [JPEG | 166 KB ] [link 10]
  • › Improvisation I - Uros Svete [JPEG | 149 KB ] [link 11]
  • › Outro [JPEG | 148 KB ] [link 12]
  • › Detail - Perpetual Tango - John Cage (1984) [JPEG | 153 KB ] [link 13]
  • › Perpetual Tango - John Cage (1984) [JPEG | 138 KB ] [link 14]
  • › Perpetual Tango - John Cage (1984) [8 MB ] [link 15]
  • › Improvisation I - Uros Svete (2005) [5 MB ] [link 16]
  • › Improvisation II - Uros Svete (2005) [6 MB ] [link 17]
  • › Technischer Aufbau [JPEG | 34 KB ] [link 18]