Michelle Rowbotham

Nomos

Eine interaktive Realtime-Visualisierung improvisierter Musik

Nominiert für den
Digital Sparks Award 2006

Nomos, Live-Performance

Nomos, Live-Performance

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Inhaltliche Beschreibung

Die Bezeichnung Nomos stammt aus dem Griechischen und hatte „zweifachen Sinn: Gesetz und Melodie!” Das ursprüngliche Ziel der Griechen, die Harmonie zwischen einer Gesetzlichkeit und einer Melodie, soll in diesem Projekt aufgegriffen werden. Die Umsetzung erfolgt dabei durch einen Musiker, der Klänge erzeugt, die durch eine direkte physikalische Äquivalenzbeziehung zu einer generativen Realtime-Software-Applikation, genauer durch einen speziell dafür entwickelten Code ausgelöste Bilder erzeugen.

Hintergrund dieser Ausarbeitung ist Platons numerischer Grundgedanke, der besagt, dass alle Dinge auf einer mathematisch geometrischen Ebene miteinander verknüpft sind.

In diesem Projekt sollen durch geometrische Formen, Muster und Symmetrie, deren Ordnung gleichzeitig bestimmt ist von Zufall und Improvisation, dem Konsumenten über Raum und Zeit hinaus eine Transzendenz eröffnen, was durch die Musik ausgelöst und verstärkt wird und über das vermeintliche Chaos zur Ordnung und mathematischen Gesetzmäßigkeit zurückfindet.

Der besondere Reiz dieser Arbeit liegt darin, nicht im Voraus produziertes Bildmaterial auf Musik abzustimmen, sondern basierend auf Algorithmen in Echtzeit Bilder zu generieren, die von der Musik ausgelöst und gesteuert werden. Bei der visuellen Umsetzung improvisierter Musik, entstehen also Ton und Bild zur selben Zeit und unterstützen so gegenseitig ihre emotionale Wirkung. Algorithmen übertragen dabei Verhältnisse und Beziehungen aus der Musik auf mathematische Körper im Bild. Die mathematischen Eigenschaften beider Genres bilden die Grundlage dieser Umsetzung. Gerade das Zusammenspiel aus musikalischer Improvisation und algorithmischen Zufallselementen, gepaart mit festen Regeln und Gesetzen, gestalten die Visualisierung interessant und abwechslungsreich. Die somit entstehende Unvorhersehbarkeit ist stark mit dem Attribut der Kontrolle verknüpft, unterscheidet sich aber in der jeweiligen Erwartungshaltung des Betrachters. Könnten wir jeden Schritt voraussagen, laufen wir Gefahr, dass Interaktion „langweilig” werden könnte. Gelungene Interaktion aber findet eine Balance zwischen der Gleichgültigkeit in konstanten Aktionen und unkontrolliertem Chaos.

Ich bin überzeugt davon, dass Menschen oft versuchen, besondere Momente und Augenblicke zum Beispiel auf Fotos oder Videoaufnahmen festzuhalten, um eigentlich „Nichtgreifbares“ auf Papier, Film oder im PC zu bewahren.

In diesem Projekt versuche ich nicht ungreifbare Momente greifbar zu machen, sondern den Betrachter für das zeitlich begrenzte Moment der Musik zu sensibilisieren. Dabei sollen sich Emotionen, die durch diese Vergänglichkeit ausgelöst werden, im Moment des Entstehens verdichten. Ziel ist es, ein rein musikalisches Erlebnis zu einem audio-visuellem Ereignis werden zu lassen. In der Verwirklichung dieses Projektes wird nicht nur meine besondere Beziehung zur Musik erkennbar, sondern in den entstehenden Bildern wird gleichsam meine Liebe zu Mustern, Seriellem und zur radikalen Ordnung sichtbar.